Widerstandskämpfer

Menschen, die den Mut hatten, sich zu widersetzen.

“

In Nazi-Deutschland haben sich viele Menschen nicht getraut, Widerstand zu leisten. Einige hatten jedoch den Mut, aufzustehen, sich zu erheben und sich auf verschiedene Weise den Nazis zu widersetzen.

Manche von ihnen sind bekannt und ihre Namen kennt man. Andere hingegen sind bis heute weitgehend unbekannt – und genau um diese Menschen geht es in dieser Rubrik. Menschen, die durch ihre Taten Leben gerettet oder wichtige Informationen über den Krieg an die Alliierten weitergegeben haben.

Nicht alle Widerstandskämpfer sind bekannt. Viele nahmen ihr Geheimnis mit ins Grab oder sprachen nie oder nur wenig über ihre Taten.

Ihre Geschichten sollen hier einen Platz bekommen.

Menschen im Widerstand

Entdecke vergessene Geschichten.

Hier werden Menschen vorgestellt, die sich dem NS-Regime widersetzten, Verfolgten halfen oder auf unterschiedliche Weise Widerstand leisteten. Manche ihrer Namen sind bekannt - andere beinahe vergessen.

Porträt von Emilie Schindler

Emilie Schindler

Geboren 22. Oktober 1907

Gestorben 5. Oktober 2001

Unterstützte die Versorgung jüdischer Zwangsarbeiter und half Anfang 1945 bei der Aufnahme von 100 jüdischen Menschen in Brünnitz.

Hilfe für jüdische Zwangsarbeiter

Biografie lesen →
Porträt von Ernst Thälmann

Ernst Thälmann

Geboren 16. April 1886

Gestorben 18. August 1944

Als Vorsitzender der KPD gehörte Ernst Thälmann zu den politischen Gegnern des Nationalsozialismus. Nach seiner Verhaftung 1933 wurde er fast zwölf Jahre ohne Gerichtsverfahren in Haft gehalten und 1944 im KZ Buchenwald ermordet.

Widerstand aus der Arbeiterbewegung

Biografie lesen →
Porträt von Fritz Bauer

Fritz Bauer

Geboren 16. Juli 1903

Gestorben 1. Juli 1968

Nach dem Krieg setzte sich Fritz Bauer für die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen ein. Als hessischer Generalstaatsanwalt spielte er eine entscheidende Rolle bei den Frankfurter Auschwitz-Prozessen.

Juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen

Biografie lesen →
Porträt von Hanns Alexander

Hanns Alexander

Geboren 6. Mai 1917

Gestorben 23. Dezember 2006

Als deutsch-jüdischer Emigrant kämpfte Hanns Alexander in der britischen Armee gegen NS-Deutschland. Nach Kriegsende spürte er als Ermittler NS-Kriegsverbrecher auf – darunter Rudolf Höß, den ehemaligen Kommandanten von Auschwitz.

Verfolgung von NS-Kriegsverbrechern

Biografie lesen →
Porträt von Irena Sendler

Irena Sendler

Geboren 15. Februar 1910

Gestorben 12. Mai 2008

Irena Sendler half während der deutschen Besatzung Polens jüdischen Menschen im Warschauer Ghetto. Gemeinsam mit anderen Helfern rettete sie zahlreiche Kinder und brachte sie mit falschen Identitäten außerhalb des Ghettos unter.

Rettung und Hilfe für verfolgte Juden

Biografie lesen →
Porträt von Janusz Korczak

Janusz Korczak

Geboren 22. Juli 1878 oder 1879

Gestorben August 1942

Janusz Korczak war Arzt, Pädagoge und Leiter eines jüdischen Waisenhauses in Warschau. Als die ihm anvertrauten Kinder deportiert wurden, ließ er sie nicht allein und begleitete sie bis nach Treblinka.

Menschlichkeit und Fürsorge im Holocaust

Biografie lesen →
Porträt von Konrad Adenauer

Konrad Adenauer

Geboren 5. Januar 1876

Gestorben 19. April 1967

Konrad Adenauer lehnte den Nationalsozialismus ab und wurde 1933 als Kölner Oberbürgermeister aus seinem Amt entfernt. Während der NS-Zeit wurde er mehrfach verfolgt und 1944 von der Gestapo inhaftiert.

Gegner und Verfolgter des NS-Regimes

Biografie lesen →
1 / 1

Widerstand verstehen

Was bedeutete Widerstand gegen den Nationalsozialismus?

Um Widerstand zu leisten, musste ein Mensch keiner Organisation angehören oder politisch aktiv sein. Auch kleine Taten konnten eine Form des Widerstands sein. Gerade während des Nationalsozialismus konnte es bereits gefährlich sein, einem KZ-Häftling oder einem anderen Verfolgten ein Butterbrot zu reichen oder auf andere Weise zu helfen.

Widerstand konnte jedoch ganz unterschiedliche Formen annehmen. Manche Menschen versteckten Verfolgte, halfen ihnen bei der Flucht, waren politisch aktiv oder gingen mit größeren Aktionen gegen das NS-Regime vor. Einige waren sogar bereit, Gewalt einzusetzen oder an Plänen zum Sturz des Regimes mitzuwirken.

Einige dieser Menschen sind heute bekannt und werden für ihren Mut zu Recht gewürdigt. Andere sprachen jahrzehntelang nicht über das, was sie getan hatten. Manche erzählten ihre Geschichte erst im hohen Alter – und andere nahmen sie mit ins Grab.

Viele Wege des Widerstands

Welche unterschiedlichen Formen von Widerstand gab es?

Widerstand gegen den Nationalsozialismus konnte ganz unterschiedliche Formen annehmen. Manche Menschen leisteten politischen Widerstand. Sie verteilten beispielsweise Flugblätter, verbreiteten regimekritische Informationen oder versuchten, andere Menschen über die Verbrechen des Nationalsozialismus und den tatsächlichen Verlauf des Krieges aufzuklären. Einige Widerstandsgruppen nahmen Kontakt zu den Alliierten auf oder gaben wichtige Informationen weiter.

Andere gingen noch weiter und planten den Sturz des NS-Regimes oder Attentate auf Adolf Hitler und andere Vertreter der nationalsozialistischen Führung. Auch innerhalb des Militärs gab es Menschen, die sich gegen das Regime stellten und an Umsturzplänen beteiligt waren.

Daneben gab es Widerstand und Hilfe im Alltag. Menschen versteckten Verfolgte, beschafften Lebensmittel oder gefälschte Papiere und halfen ihnen dabei, unterzutauchen. Auch die Unterstützung von jüdischen Menschen, Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen konnte eine Form des Widerstands sein. Gerade die Hilfe für verfolgte Juden richtete sich unmittelbar gegen einen zentralen Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie.

Auch Verweigerung konnte eine Rolle spielen. Menschen hörten verbotene ausländische Radiosender und verbreiteten die dort gehörten Nachrichten weiter, schrieben Parolen gegen das Regime an Wände oder verweigerten aus politischen und weltanschaulichen Gründen den Kriegsdienst.

Dies sind nur einige Beispiele. Die Möglichkeiten, sich dem Nationalsozialismus zu widersetzen oder verfolgten Menschen zu helfen, waren vielfältig – und Widerstand konnte im Großen wie im Kleinen stattfinden.

Mut unter Gefahr

Warum war es so schwierig und gefährlich, Widerstand zu leisten?

Widerstand gegen den Nationalsozialismus war schwierig und gefährlich, weil das Regime versuchte, große Teile des öffentlichen und privaten Lebens zu kontrollieren. Propaganda sollte die Bevölkerung im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie beeinflussen, während Polizei, Gestapo und andere Organe des Regimes gegen Menschen vorgingen, die als Gegner angesehen wurden.

Hinzu kam die ständige Gefahr, entdeckt oder denunziert zu werden. Nicht nur öffentliche Aktionen konnten Aufmerksamkeit erregen. Auch regimekritische Äußerungen, das Hören und Weitergeben ausländischer Nachrichten oder die Hilfe für Verfolgte konnten schwerwiegende Folgen haben. Deshalb handelten viele Menschen im Verborgenen und mussten genau überlegen, wem sie vertrauen konnten.

Wer entdeckt wurde, musste mit Verhaftung und Haft rechnen. Widerstandskämpfer wurden verfolgt, in Konzentrationslager gebracht und in zahlreichen Fällen zum Tode verurteilt und hingerichtet. In bestimmten Fällen richteten sich die Maßnahmen des Regimes sogar gegen Familienangehörige.

Viele Menschen hatten deshalb Angst, sich offen gegen das Regime zu stellen. Andere leisteten dennoch Widerstand – obwohl sie wussten, welche Gefahr damit verbunden sein konnte. Manche riskierten dabei ihre eigene Freiheit und ihr Leben, um anderen Menschen zu helfen oder sich gegen das nationalsozialistische Regime zu stellen.

Erinnerung und Überlieferung

Warum kennen wir manche Widerstandskämpfer heute – und andere kaum?

Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten – und ich habe sie mir selbst schon oft gestellt. Manche Widerstandskämpfer sind heute bekannter, weil ihre Taten dokumentiert wurden. Es gibt Berichte von Zeitzeugen und Überlebenden, Briefe, Flugblätter, Fotografien oder Unterlagen der Gestapo und anderer Behörden. Dadurch lassen sich ihre Geschichten teilweise bis heute nachvollziehen.

Manche Geschichten verbreiteten sich sogar noch während des Krieges über die Grenzen Deutschlands hinaus. Ein bekanntes Beispiel ist die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Ihr sechstes Flugblatt gelangte 1943 nach Großbritannien. Dort wurde es vervielfältigt und anschließend von Flugzeugen der britischen Royal Air Force in Millionenauflage über deutschen Städten abgeworfen. Auch zahlreiche Unterlagen über die Verfolgung und die Prozesse gegen Mitglieder der Weißen Rose sind erhalten geblieben.

Bei anderen Menschen wissen wir dagegen bis heute nur wenig über ihren Widerstand. Nicht jede Tat wurde beobachtet oder schriftlich festgehalten. Manche Menschen erzählten nach dem Krieg von ihren Erlebnissen, andere wollten mit ihrer Vergangenheit abschließen und nicht mehr auf diese schwere Zeit zurückblicken. Wieder andere sprachen erst viele Jahre später darüber – oder überhaupt nicht.

Deshalb ist davon auszugehen, dass es Geschichten von Mut, Hilfe und Widerstand gab, die nie dokumentiert wurden und heute nicht mehr erzählt werden können.

Erinnern und weitergeben

Warum sollten wir uns heute noch mit den Menschen im Widerstand und ihren Geschichten beschäftigen?

Die Geschichten der Menschen im Widerstand sind auch heute von großer Bedeutung. Wenn ich auf die politische und gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland blicke, auf die zunehmende Zustimmung zur AfD oder darauf, dass Antisemitismus weiterhin offen in Erscheinung tritt, wird für mich deutlich, wie wichtig die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte bleibt.

Gleichzeitig gibt es immer weniger Zeitzeugen, die aus eigener Erfahrung von der Zeit des Nationalsozialismus berichten können. Die Ereignisse liegen inzwischen mehr als acht Jahrzehnte zurück. Umso wichtiger wird es, ihre Erinnerungen, Erfahrungen und Geschichten zu bewahren und an kommende Generationen weiterzugeben.

„Eine Person ist erst dann vergessen, wenn man sich nicht mehr an ihren Namen erinnert.“

Von Gunter Demnig im Zusammenhang mit den Stolpersteinen aus dem Talmud zitiert

Dieser Gedanke beschreibt für mich sehr gut, warum diese Geschichten erzählt werden sollten. Die Namen dieser Menschen und ihre Taten dürfen nicht einfach verschwinden.

Wie hätten wir an ihrer Stelle gehandelt?

Hätten wir den Mut gehabt, einem anderen Menschen zu helfen, obwohl wir uns damit selbst in Gefahr gebracht hätten?

Die Menschen im Widerstand erinnern daran, dass es selbst in einer Zeit von Verfolgung, Gewalt und Unrecht Menschen gab, die anderen halfen, ihnen Hoffnung gaben oder sich dem Regime widersetzten. Ihre Entscheidungen können wir heute nicht einfach auf unsere eigene Lebenswirklichkeit übertragen. Aber wir können ihre Geschichten bewahren, uns mit ihnen auseinandersetzen und dafür sorgen, dass ihre Namen nicht vergessen werden.

Erinnerung nach 1945

Wie wurde Widerstand nach 1945 wahrgenommen – und warum hat sich unser Blick auf die Widerstandskämpfer im Laufe der Zeit verändert?

Nach 1945 wurde die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland zunächst vielfach verdrängt und verschwiegen. Eine Gesellschaft, die über zwölf Jahre durch die nationalsozialistische Diktatur geprägt worden war, veränderte sich nicht von einem Tag auf den anderen. Auch der Widerstand gegen das NS-Regime wurde nach Kriegsende keineswegs sofort überall anerkannt.

Einige Widerstandskämpfer wurden noch lange nach dem Krieg als „Verräter“ angesehen. Andere Formen des Widerstands fanden zunächst kaum Beachtung. Zwar begann bereits in den ersten Nachkriegsjahrzehnten die historische Aufarbeitung und es entstanden erste Gedenkorte und Veröffentlichungen, doch die gesellschaftliche Wahrnehmung veränderte sich nur langsam. Erst im Laufe der Jahrzehnte rückten immer mehr unterschiedliche Formen des Widerstands in den Blick.

Für viele Überlebende bedeutete dies, dass sie lange Zeit nicht über ihre Erlebnisse und ihre Taten sprachen. Manche wollten nach den Erfahrungen von Verfolgung, Krieg und Gewalt nicht mehr darüber sprechen, andere fanden lange kaum Gehör. Einige starben, bevor ihre Geschichte aufgezeichnet werden konnte. Was sie erlebt oder getan hatten, nahmen sie mit ins Grab.

Auch deshalb lässt sich heute kaum bestimmen, wie viele Menschen tatsächlich Widerstand leisteten oder Verfolgten im Verborgenen halfen. Große Widerstandsaktionen hinterließen Dokumente, Gerichtsakten oder andere Spuren. Eine heimlich weitergegebene Nachricht, ein versteckter Mensch oder ein Stück Brot für einen Häftling wurde dagegen häufig nirgendwo festgehalten.

Historikerinnen und Historiker, Gedenkstätten, Archive und Angehörige haben dazu beigetragen, viele dieser Geschichten zu bewahren und wieder sichtbar zu machen. Besonders seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entstand ein immer vielfältigeres Bild davon, was Widerstand gegen den Nationalsozialismus bedeuten konnte.

Doch wir werden vermutlich niemals alle Namen kennen.

Umso wichtiger ist es, die Geschichten, die erhalten geblieben sind, weiterzugeben. Sie erinnern daran, wohin eine Diktatur, Ausgrenzung und menschenverachtende Ideologie führen können – aber auch daran, dass Menschen selbst unter schwierigsten Bedingungen Entscheidungen treffen, anderen helfen und sich Unrecht entgegenstellen können.