Nach 1945 wurde die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland
zunächst vielfach verdrängt und verschwiegen. Eine Gesellschaft,
die über zwölf Jahre durch die nationalsozialistische Diktatur
geprägt worden war, veränderte sich nicht von einem Tag auf den
anderen. Auch der Widerstand gegen das NS-Regime wurde nach
Kriegsende keineswegs sofort überall anerkannt.
Einige Widerstandskämpfer wurden noch lange nach dem Krieg als
„Verräter“ angesehen. Andere Formen des Widerstands fanden zunächst
kaum Beachtung. Zwar begann bereits in den ersten Nachkriegsjahrzehnten
die historische Aufarbeitung und es entstanden erste Gedenkorte und
Veröffentlichungen, doch die gesellschaftliche Wahrnehmung veränderte
sich nur langsam. Erst im Laufe der Jahrzehnte rückten immer mehr
unterschiedliche Formen des Widerstands in den Blick.
Für viele Überlebende bedeutete dies, dass sie lange Zeit nicht über
ihre Erlebnisse und ihre Taten sprachen. Manche wollten nach den
Erfahrungen von Verfolgung, Krieg und Gewalt nicht mehr darüber
sprechen, andere fanden lange kaum Gehör. Einige starben, bevor ihre
Geschichte aufgezeichnet werden konnte. Was sie erlebt oder getan
hatten, nahmen sie mit ins Grab.
Auch deshalb lässt sich heute kaum bestimmen, wie viele Menschen
tatsächlich Widerstand leisteten oder Verfolgten im Verborgenen
halfen. Große Widerstandsaktionen hinterließen Dokumente,
Gerichtsakten oder andere Spuren. Eine heimlich weitergegebene
Nachricht, ein versteckter Mensch oder ein Stück Brot für einen
Häftling wurde dagegen häufig nirgendwo festgehalten.
Historikerinnen und Historiker, Gedenkstätten, Archive und Angehörige
haben dazu beigetragen, viele dieser Geschichten zu bewahren und
wieder sichtbar zu machen. Besonders seit den letzten Jahrzehnten
des 20. Jahrhunderts entstand ein immer vielfältigeres Bild davon,
was Widerstand gegen den Nationalsozialismus bedeuten konnte.
Doch wir werden vermutlich niemals alle Namen kennen.
Umso wichtiger ist es, die Geschichten, die erhalten geblieben sind,
weiterzugeben. Sie erinnern daran, wohin eine Diktatur, Ausgrenzung
und menschenverachtende Ideologie führen können – aber auch daran,
dass Menschen selbst unter schwierigsten Bedingungen Entscheidungen
treffen, anderen helfen und sich Unrecht entgegenstellen können.