Widerstandskämpferin

Irena Sendler

Geboren

15. Februar 1910

Gestorben

12. Mai 2008

Sozialarbeiterin · Widerstandskämpferin · Retterin jüdischer Kinder

Porträt von Irena Sendler

Warschau

Wie half Irena Sendler den Menschen im Warschauer Ghetto?

Irena Sendler war eine polnische Sozialarbeiterin und Widerstandskämpferin gegen die nationalsozialistische Besatzung. Während des Zweiten Weltkriegs lebte und arbeitete sie in Warschau.

Bereits vor dem Krieg arbeitete Sendler im Sozialwesen der Stadt Warschau. Als Deutschland Polen 1939 überfiel, nutzte sie ihre beruflichen Möglichkeiten und ihre Kontakte, um verfolgten jüdischen Menschen mit Geld, Lebensmitteln und anderen Hilfen beizustehen.

Im Herbst 1940 zwang die deutsche Besatzungsmacht die jüdische Bevölkerung Warschaus in das abgeriegelte Warschauer Ghetto. Hunderttausende Menschen wurden dort unter katastrophalen Bedingungen zusammengepfercht.

Trotz der Abriegelung gelang es Irena Sendler weiterhin, das Ghetto zu betreten. Sie beschaffte sich gefälschte Papiere, die sie als „Krankenschwester zur Seuchenbekämpfung“ auswiesen. Dadurch konnte sie Lebensmittel, Kleidung und Medikamente in das Ghetto bringen und weiterhin Hilfe leisten.

Innerhalb des Ghettos knüpfte Sendler Kontakte zu jüdischen Hilfsorganisationen. Sie brachte Lebensmittel, Geld und Medikamente hinein und half gleichzeitig dabei, Menschen aus dem Ghetto herauszubringen und sichere Verstecke für sie zu finden.

Damit setzte sie sich selbst einem erheblichen Risiko aus. Die Unterstützung und Rettung jüdischer Menschen war unter der deutschen Besatzung lebensgefährlich und konnte mit schwersten Strafen bis hin zum Tod geahndet werden.

Rettung jüdischer Kinder

Was macht Irena Sendler so besonders?

Gemeinsam mit weiteren Helferinnen und Helfern versuchte Irena Sendler, jüdische Kinder aus dem Warschauer Ghetto zu retten. Die Kinder wurden anschließend unter anderem bei Familien, in Waisenhäusern, Klöstern, Schulen und Krankenhäusern untergebracht.

Damit sie außerhalb des Ghettos nicht als jüdisch erkannt wurden, erhielten viele der Kinder neue Identitäten und entsprechende Papiere.

Sendler dokumentierte die ursprünglichen Namen der Kinder und ihre neuen Aufenthaltsorte in verschlüsselter Form. Diese Aufzeichnungen sollten es ermöglichen, die wahre Identität der Kinder nach dem Krieg wiederherzustellen und überlebende Angehörige ausfindig zu machen.

Anfang 1943 schloss sich Irena Sendler der geheimen Hilfsorganisation Żegota an. Unter dem Decknamen „Jolanta“ setzte sie ihre Rettungsarbeit fort. Im Herbst desselben Jahres wurde sie zur Leiterin der Kinderabteilung von Żegota ernannt.

Nur wenige Tage später wurde Sendler von der Gestapo verhaftet. Während der Verhöre wurde sie schwer misshandelt und gefoltert. Trotzdem verriet sie weder die Namen der versteckten Kinder noch die ihrer Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

Sendler wurde zum Tode verurteilt. Mitglieder von Żegota konnten jedoch einen Wachmann bestechen und dadurch ihre Freilassung erreichen.

Nach ihrer Befreiung lebte Irena Sendler unter einer neuen Identität im Untergrund. Trotz der Gefahr setzte sie ihre Arbeit für Żegota bis zum Ende der deutschen Besatzung fort.

Nach dem Krieg versuchte Sendler mithilfe ihrer Aufzeichnungen, die wirklichen Namen der geretteten Kinder zuzuordnen und überlebende Familienangehörige zu finden. Für viele Kinder war eine Rückkehr zu ihren Eltern jedoch nicht mehr möglich, weil diese im Holocaust ermordet worden waren.

Nach dem Krieg

Wie wurde Irena Sendler später für ihren Einsatz geehrt?

Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete Irena Sendler weiterhin im sozialen Bereich. Ihre Rettungsarbeit während der deutschen Besatzung wurde jedoch lange Zeit nur wenig öffentlich beachtet.

Im Jahr 1965 ehrte die israelische Gedenkstätte Yad Vashem Irena Sendler mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“. Mit dieser Auszeichnung werden nichtjüdische Menschen geehrt, die während des Holocaust ihr eigenes Leben riskierten, um Jüdinnen und Juden zu helfen.

Sendler selbst betonte später immer wieder, dass sie ihre Arbeit nicht allein geleistet hatte. Hinter der Rettung der Kinder stand ein Netzwerk aus zahlreichen Helferinnen und Helfern, die gemeinsam große persönliche Risiken auf sich nahmen.

Trotz der späteren Anerkennung betrachtete Irena Sendler ihr Handeln nicht als außergewöhnlichen Heldenmut. Für sie war die Hilfe für Menschen in Not eine Selbstverständlichkeit, die sie bereits in ihrer Kindheit von ihrem Vater gelernt hatte.

Ein Gedanke ihres Vaters begleitete sie dabei ihr Leben lang:

„Mein Vater hat mir beigebracht, dass man, wenn jemand ertrinkt, nicht lange fragt, ob er schwimmen kann, man hilft.“

Irena Sendler starb am 12. Mai 2008 in Warschau. Heute erinnert ihre Geschichte daran, welchen Unterschied einzelne Menschen machen können, wenn sie trotz großer Gefahr bereit sind, anderen zu helfen.

Nachweise

Quellen & weiterführende Informationen

Yad Vashem:
Irena Sendler – Gerechte unter den Völkern

United States Holocaust Memorial Museum:
Irena Sendler – Mitglied von Żegota

Gedenkstätte Stille Helden:
Biografie – Irena Sendler

Bildnachweis

Porträt von Irena Sendler

Aufnahme:
Irena Sendler, 1942

Urheber:
Unbekannt

Quelle:
Wikimedia Commons

Lizenz:
Public Domain