Gegner des Nationalsozialismus

Konrad Adenauer

Geboren

5. Januar 1876

Gestorben

19. April 1967

NS-Gegner · Verfolgter Politiker · Erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland

Porträt von Konrad Adenauer

Nationalsozialismus

Wie stellte sich Konrad Adenauer gegen die Nationalsozialisten?

Konrad Adenauer stand dem Nationalsozialismus bereits vor der Machtübernahme Hitlers ablehnend gegenüber. Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, war Adenauer Oberbürgermeister der Stadt Köln.

Im Februar 1933 kam es zu einem offenen Konflikt. Anlässlich eines Besuchs Hitlers in Köln weigerte sich Adenauer, ihn persönlich zu empfangen. Außerdem ließ er Hakenkreuzfahnen entfernen, die Nationalsozialisten an der Deutzer Brücke angebracht hatten.

Für die Nationalsozialisten galt Adenauer damit als politischer Gegner. Nach den Kölner Kommunalwahlen vom 12. März 1933 wurde er aus seinem Amt gedrängt und musste Köln verlassen.

Adenauer zog sich zunächst in die Benediktinerabtei Maria Laach in der Eifel zurück. Ursprünglich wollte er dort nur wenige Monate bleiben. Aus dem geplanten kurzen Aufenthalt wurde schließlich etwa ein Jahr.

In den folgenden Jahren lebte Adenauer weitgehend zurückgezogen und hielt Abstand zum nationalsozialistischen Regime. 1934 wurde er vorübergehend von der Gestapo festgenommen.

Obwohl Adenauer Kontakte zu einzelnen Gegnern des Nationalsozialismus hatte, beteiligte er sich nicht aktiv an den Widerstandsgruppen gegen Hitler. Angebote, sich dem organisierten Widerstand anzuschließen, lehnte er ab.

Trotzdem blieb er für das NS-Regime politisch verdächtig. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 geriet Adenauer erneut in die Gewalt der Gestapo.

Frühe Jahre und Politik

Wie war sein Leben vor den Nationalsozialisten?

Konrad Adenauer wurde am 5. Januar 1876 in Köln geboren. Nach seinem Abitur studierte er Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft in Freiburg, München und Bonn. 1901 beendete er seine juristische Ausbildung.

Nach dem Studium arbeitete Adenauer zunächst im juristischen Bereich. Unter anderem war er als Gerichtsassessor tätig und arbeitete in einer Kölner Rechtsanwaltskanzlei.

1906 begann seine politische Laufbahn in der Stadt Köln. Er wurde Beigeordneter und übernahm in den folgenden Jahren immer mehr Verantwortung in der Stadtverwaltung.

1917 wurde Konrad Adenauer zum Oberbürgermeister von Köln gewählt. Dieses Amt übte er bis zu seiner Absetzung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 aus.

Auch privat erlebte Adenauer in diesen Jahren große Veränderungen. 1904 heiratete er Emma Weyer. Das Ehepaar bekam drei Kinder. Emma starb jedoch bereits 1916.

1919 heiratete Adenauer ein zweites Mal. Seine Frau Auguste Zinsser, meist Gussie genannt, brachte mit ihm weitere Kinder zur Welt und begleitete ihn während seiner Jahre als Kölner Oberbürgermeister sowie später durch die Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung.

Verfolgung

Warum wurde Konrad Adenauer 1944 erneut verhaftet?

Nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 ging das NS-Regime verstärkt gegen frühere Politiker und bekannte Gegner des Nationalsozialismus vor.

Im August 1944 wurde Konrad Adenauer im Rahmen der reichsweiten Verhaftungsaktion „Gewitter“ von der Gestapo festgenommen. Obwohl er selbst nicht am Attentat vom 20. Juli beteiligt gewesen war, galt er als ehemaliger Politiker und Gegner des Regimes als verdächtig.

Die Gestapo brachte ihn zunächst in das Messelager Köln-Deutz. Dort waren zahlreiche Menschen unter schwierigen Bedingungen inhaftiert.

Adenauer gelang es, aus der Haft zu entkommen. Er tauchte anschließend unter und versuchte, sich vor der Gestapo verborgen zu halten.

Seine Flucht hatte jedoch auch Folgen für seine Familie. Die Gestapo setzte seine Frau Auguste, genannt Gussie, massiv unter Druck. Aus Angst um ihre Familie gab sie schließlich den Aufenthaltsort ihres Mannes preis.

Adenauer wurde erneut festgenommen. Er und seine Frau wurden getrennt voneinander in Brauweiler inhaftiert.

Die Ereignisse des Jahres 1944 zeigen noch einmal, warum Adenauer historisch nicht als aktiver Widerstandskämpfer eingeordnet werden sollte. Er war nicht am Attentat oder an dessen Planung beteiligt. Für das NS-Regime blieb er jedoch ein politischer Gegner, der deshalb verfolgt und inhaftiert wurde.

Nach 1945

Welche Rolle spielte Adenauer beim Aufbau der Bundesrepublik?

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Konrad Adenauer in die Politik zurück. Im Mai 1945 wurde er erneut Oberbürgermeister seiner stark zerstörten Heimatstadt Köln.

Seine zweite Amtszeit dauerte allerdings nur wenige Monate. Im Oktober 1945 wurde Adenauer von der britischen Militärregierung als Oberbürgermeister entlassen.

Damit endete seine politische Karriere jedoch nicht. Adenauer beteiligte sich am Aufbau der neu gegründeten CDU und entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem ihrer führenden Politiker.

Am 1. September 1948 wurde Adenauer zum Präsidenten des Parlamentarischen Rates gewählt. Dieses Gremium hatte die Aufgabe, eine neue staatliche Ordnung für die westlichen Besatzungszonen zu schaffen.

Als Präsident leitete Adenauer die Sitzungen und vermittelte zwischen unterschiedlichen politischen Positionen. An der konkreten Formulierung der einzelnen Artikel beteiligte er sich weniger, nahm aber Einfluss auf wichtige grundsätzliche Entscheidungen.

Das Ergebnis der Beratungen war das Grundgesetz, das am 23. Mai 1949 verkündet wurde. Es bildete die Grundlage für die wenige Tage später gegründete Bundesrepublik Deutschland.

Bei der ersten Bundestagswahl im August 1949 zog Adenauer in den Deutschen Bundestag ein. Am 15. September 1949 wurde der damals 73-Jährige zum ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt.

Damit stand ein Politiker an der Spitze des neuen westdeutschen Staates, der wenige Jahre zuvor noch vom nationalsozialistischen Regime verfolgt und inhaftiert worden war.

Schon gewusst?

Hat Konrad Adenauer wirklich eine Sojawurst erfunden?

Konrad Adenauer war nicht nur Politiker, sondern beschäftigte sich in seinem Leben auch immer wieder mit technischen Ideen und Erfindungen.

Während des Ersten Weltkriegs war Adenauer in Köln unter anderem für die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung zuständig. Fleisch war knapp und teuer. Deshalb suchte er nach einer Möglichkeit, bei der Herstellung von Wurst einen Teil des tierischen Eiweißes durch günstigeres pflanzliches Eiweiß zu ersetzen.

1915 entwickelte er deshalb eine sogenannte „Sojawurst“. Anders als der Name heute vielleicht vermuten lässt, war sie allerdings nicht vegetarisch. Sie enthielt neben Soja auch Fleischbestandteile beziehungsweise Fleischbrühe.

Beim deutschen Patentamt hatte Adenauer mit seiner Idee keinen Erfolg. In mehreren anderen europäischen Ländern erhielt er später jedoch Patentschutz für ein Verfahren im Zusammenhang mit seiner Sojawurst.

Die Sojawurst war übrigens nicht seine einzige Erfindung. Adenauer beschäftigte sich im Laufe seines Lebens mit zahlreichen Ideen und meldete mehrere davon beim Patentamt an.

Nachweise

Quellen & weiterführende Informationen

Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus:
Biografie und historische Dokumente zu Konrad Adenauer

Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus:
Informationen zu Adenauers Verfolgung während der nationalsozialistischen Herrschaft

Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus:
Parlamentarischer Rat und Entstehung des Grundgesetzes

Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus:
Patentunterlagen und Informationen zu Adenauers Sojawurst

Bildnachweis

Porträt von Konrad Adenauer

Fotografin:
Katherine Young

Aufnahme:
23. Juni 1952

Quelle:
Bundesarchiv, B 145 Bild-F078072-0004, via Wikimedia Commons

Lizenz:
CC BY-SA 3.0 DE

Namensnennung:
Bundesarchiv, B 145 Bild-F078072-0004 / Katherine Young / CC BY-SA 3.0 DE