Widerstandskämpfer
Emilie Schindler
22. Oktober 1907
5. Oktober 2001
Hilfe für jüdische Zwangsarbeiter
Widerstand
Was macht Emilie Schindler zu einer Widerständlerin?
Emilie Schindler stand jahrzehntelang im Schatten ihres Mannes Oskar Schindler. Dabei war ihre Rolle keineswegs unbedeutend. Bereits ab 1936 unterstützte sie Oskar bei seiner Arbeit für die deutsche Spionageabwehr durch Botengänge und Hilfsdienste.
1939 musste Emilie innerhalb von nur neun Monaten den Tod beider Eltern verkraften. In dieser Zeit besuchte sie ihren Mann zweimal in der Woche in Krakau, wo Oskar Schindler nach dem deutschen Überfall auf Polen als Fabrikant tätig war.
Trotz der zahlreichen Liebschaften ihres Mannes zog Emilie Schindler 1941 zu ihm nach Krakau. Dort unterstützte sie ihn bei der Versorgung und Verpflegung der jüdischen Zwangsarbeiter in der Deutschen Emailwarenfabrik, kurz DEF.
Im Januar 1945 kamen etwa 100 jüdische Gefangene in Brünnlitz an. Sie waren aus einem Lager bei Golleschau abtransportiert worden und hatten unter extremen Bedingungen tagelang in Güterwaggons ausharren müssen. Emilie Schindler kümmerte sich um die geschwächten Menschen und half bei ihrer Versorgung.
Nach Kriegsende flohen Emilie und Oskar Schindler am 9. Mai 1945 nach Deutschland. Da ihnen dort kein wirtschaftlicher Neuanfang gelang, waren sie in den folgenden Jahren auf Unterstützung der jüdischen Hilfsorganisation „Joint“ angewiesen.
Im Oktober 1949 wanderten beide nach Argentinien aus. 1957 trennten sich ihre Wege endgültig: Oskar Schindler kehrte allein nach Deutschland zurück, während Emilie in Argentinien blieb.
Frühe Jahre
Wie war Emilies Leben vor dem Nationalsozialismus?
Emilie Schindler, geborene Pelzl, wuchs in Alt-Moletein im heutigen Tschechien auf. In ihrer Jugend besuchte sie die Volksschule, eine Klosterschule und anschließend eine Landwirtschaftsschule in Brünn, dem heutigen Brno.
Am 6. März 1928 heiratete sie Oskar Schindler. Nach der Hochzeit zog sie zu ihren Schwiegereltern nach Zwittau, dem heutigen Svitavy in Tschechien.
Nach dem Krieg
Wie war ihr Leben nach dem Kriegsende und der Trennung von Oskar Schindler?
Nach der gemeinsamen Auswanderung nach Argentinien im Jahr 1949 versuchten Emilie und Oskar Schindler dort einen wirtschaftlichen Neuanfang. Dieser gelang jedoch nicht dauerhaft.
1957 trennten sich ihre Wege endgültig. Oskar Schindler kehrte allein nach Deutschland zurück, während Emilie in Argentinien blieb. Wegen finanzieller Schwierigkeiten musste sie 1962 ihr Haus verkaufen und zog nach San Vicente. Dort lebte sie viele Jahre weitgehend zurückgezogen.
Erst Jahrzehnte später rückte auch Emilies eigene Rolle bei der Rettung jüdischer Menschen stärker in die Öffentlichkeit. Im Mai 1993 reiste sie auf Einladung des Regisseurs Steven Spielberg nach Jerusalem. Dort fanden Dreharbeiten für den Spielfilm „Schindlers Liste“ statt.
In der Schlussszene des Films legt Emilie Schindler als Erste einen Stein auf das Grab ihres Mannes Oskar Schindler. Am 24. Juni 1993 bestätigte die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem Oskar Schindlers Ehrung als „Gerechter unter den Völkern“ und weitete diese Anerkennung auch auf Emilie Schindler aus.
Auch in den folgenden Jahren erhielt Emilie Schindler zunehmend öffentliche Anerkennung. 1994 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Ein Jahr später wurde sie unter anderem von Papst Johannes Paul II. und Bundespräsident Roman Herzog empfangen.
Im Juli 2001 reiste Emilie Schindler erneut nach Deutschland. Anlass war eine Einladung des Hauses der Geschichte in Bonn zur Eröffnung einer Dauerausstellung.
Am 5. Oktober 2001 starb Emilie Schindler nach einem Schlaganfall im Klinikum Märkisch-Oderland in Strausberg. Am 19. Oktober wurde sie im bayerischen Waldkraiburg beigesetzt.
Nachweise
Quellen & weiterführende Informationen
Deutsches Historisches Museum:
LeMO-Biografie – Emilie Schindler
Deutsche Biographie:
Schindler, Emilie
United States Holocaust Memorial Museum:
Holocaust Encyclopedia – Oskar Schindler
Bildnachweis
Porträt von Emilie Schindler
Fotograf:
Dr. José Rosenberg
Quelle:
Prof. Erika Rosenberg / Wikimedia Commons
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