Widerstand und Menschlichkeit

Maximilian Kolbe

Geboren

8. Januar 1894

Zduńska Wola, Polen

Gestorben

14. August 1941

Auschwitz, Polen

Franziskaner · Priester · Häftling in Auschwitz

Porträt von Maximilian Kolbe

Auschwitz

Wer war Maximilian Kolbe?

Maximilian Kolbe war ein polnischer Franziskaner, Priester und Ordensmann. Bekannt wurde er vor allem durch sein Verhalten im Konzentrationslager Auschwitz.

Ende Juli 1941 wählte die Lagerleitung nach der Flucht eines Häftlings zehn Gefangene aus, die zur Vergeltung im Hungerbunker sterben sollten. Einer der ausgewählten Männer war Franciszek Gajowniczek.

Als dieser um sein Leben bat und dabei seine Frau und seine Kinder erwähnte, trat Kolbe aus der Reihe und bot an, dessen Platz einzunehmen. Der SS-Führer Karl Fritzsch akzeptierte den Austausch.

Kolbe wurde daraufhin gemeinsam mit den anderen ausgewählten Häftlingen in eine Hungerzelle im Keller von Block 11 gebracht.

Nach etwa zwei Wochen lebten einige der Gefangenen noch, darunter auch Kolbe. Die SS ließ die noch lebenden Männer schließlich durch Phenolinjektionen töten.

Maximilian Kolbe wurde am 14. August 1941 ermordet.

1971 wurde er von Papst Paul VI. seliggesprochen. Am 10. Oktober 1982 sprach ihn Papst Johannes Paul II. heilig.

Frühes Leben

Wie sah sein Leben vor Auschwitz aus?

Maximilian Kolbe wurde am 8. Januar 1894 unter dem Namen Rajmund Kolbe in Zduńska Wola geboren. Er wuchs in einer katholisch geprägten Familie auf und trat 1910 in Lwów dem Franziskanerorden bei. Dort erhielt er den Ordensnamen Maximilian.

Ab 1912 studierte er in Rom Philosophie und Theologie und promovierte in beiden Fächern. 1918 wurde er zum Priester geweiht. Ein Jahr später kehrte er nach Polen zurück.

1927 gründete Kolbe in Niepokalanów bei Warschau ein Franziskanerkloster mit einem eigenen Verlag. Die Gemeinschaft entwickelte sich zu einem bedeutenden katholischen Zentrum mit umfangreicher publizistischer Tätigkeit.

1930 ging Kolbe nach Japan. In Nagasaki beteiligte er sich am Aufbau einer Missionsstation und setzte auch dort seine religiöse und publizistische Arbeit fort.

1936 kehrte er nach Polen zurück und übernahm erneut die Leitung des Klosters in Niepokalanów.

Eine schwierige Seite

Kolbe als Herausgeber

Zu Maximilian Kolbes Leben gehörte nicht nur seine Tätigkeit als Priester und Missionar. Er baute in Niepokalanów auch ein großes katholisches Publikationswerk auf und erreichte mit seinen Veröffentlichungen zahlreiche Menschen.

Diese Seite seiner Biografie wird heute auch kritisch diskutiert. In Kolbes eigenen Äußerungen und in Publikationen aus seinem Umfeld finden sich antijüdische Vorstellungen und damals verbreitete Verschwörungserzählungen über Juden, Zionismus und Freimaurerei.

Historiker bewerten die Bedeutung dieser Aussagen für Kolbes Gesamtbild unterschiedlich.

Eine einfache Einordnung seiner Person ist deshalb schwierig. Einerseits übernahm Kolbe Vorstellungen und Vorurteile, die im katholischen und national geprägten Polen seiner Zeit verbreitet waren.

Andererseits gibt es auch Belege dafür, dass er persönlich zu einem respektvollen Umgang mit jüdischen Menschen aufrief und sich gegen besonders aggressive Angriffe aussprach.

Diese Widersprüchlichkeit zeigte sich besonders nach dem deutschen Überfall auf Polen. Nach seiner Freilassung Ende 1939 nahm das Kloster Niepokalanów zahlreiche Menschen auf, die von den deutschen Besatzern vertrieben worden waren.

Darunter befanden sich auch etwa 1.050 jüdische Menschen, die zeitweise im Kloster untergebracht wurden.

Kolbes spätere Hilfe für jüdische Menschen macht problematische Aussagen aus seiner Vorkriegszeit nicht ungeschehen. Gleichzeitig lassen sich seine Handlungen während der deutschen Besatzung nicht einfach mit diesen früheren Vorstellungen gleichsetzen.

Seine Biografie zeigt damit, dass historische Personen widersprüchlich sein können und nicht immer eindeutig in einfache Kategorien passen.

Verfolgung

Verhaftung durch die Nationalsozialisten

Nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde Kolbe am 19. September 1939 gemeinsam mit mehr als 40 Franziskanern erstmals festgenommen.

Die Gefangenen wurden nacheinander an verschiedenen Orten festgehalten, darunter Lamsdorf, Amtitz und Schildberg.

Am 8. Dezember 1939 wurden Kolbe und seine Mitbrüder wieder freigelassen und kehrten nach Niepokalanów zurück. Dort nahmen sie ihre Arbeit wieder auf und unterstützten Menschen aus der Umgebung sowie Vertriebene und Flüchtlinge.

Am 17. Februar 1941 wurde Kolbe erneut verhaftet. Dieses Mal brachte man ihn in das Pawiak-Gefängnis in Warschau.

Nach mehreren Monaten Haft wurde er am 29. Mai 1941 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert.

Dort wurde Kolbe wie andere Geistliche als Häftling zur Arbeit eingesetzt. Während seiner Gefangenschaft wurde er schwer misshandelt und musste zeitweise im Krankenbau behandelt werden.

Juli und August 1941

Seine letzten Wochen in Auschwitz

Ende Juli 1941 floh ein Häftling aus dem Lager. Als Vergeltung ordnete die Lagerleitung an, zehn Gefangene aus demselben Block auszuwählen, die im Hungerbunker sterben sollten.

Unter den ausgewählten Männern befand sich Franciszek Gajowniczek. Als er um sein Leben bat und dabei seine Familie erwähnte, trat Maximilian Kolbe aus der Reihe.

Er bot an, anstelle Gajowniczeks zu sterben. Karl Fritzsch, der die Auswahl durchführte, akzeptierte seinen Vorschlag.

Kolbe und die übrigen Gefangenen wurden in den Keller von Block 11 gebracht und dort ohne Nahrung dem Tod überlassen.

Nach etwa zwei Wochen waren die meisten Gefangenen gestorben. Kolbe und einige andere Männer lebten jedoch noch. Die SS entschied deshalb, die noch lebenden Gefangenen zu töten.

Am 14. August 1941 wurde Maximilian Kolbe durch eine Phenolinjektion ermordet.

Nachweise

Quellen & weiterführende Informationen

Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau

Biografische Informationen zu Maximilian Kolbe, seiner Haft und seinem Tod in Auschwitz

Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau

The sacrifice and death of Father Maximilian Kolbe

United States Holocaust Memorial Museum

Auschwitz – wichtige Daten und Ereignisse

The New York Review of Books

Kolbe & Anti-Semitism – historische Diskussion über Kolbes publizistische Tätigkeit und sein Verhältnis zu antijüdischen Vorstellungen

Bildnachweis

Porträt von Maximilian Kolbe

Historisches Porträt von Maximilian Kolbe

Aufnahme: 1940

Fotograf: unbekannt

Quelle: Wikimedia Commons

Lizenz: Public Domain / Gemeinfrei